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Das Invitatiomodell
Bei diesem Modell handelt es sich um eine „Kopfgeburt“ der Versicherungswirtschaft. Hintergrund der Überlegung war, den Makler vor der Verpflichtung zur grenzenlosen Bevorratung von Informationsmaterial zu bewahren. Diese Notwendigkeit wird durch eine geschickte Auslegung der Bestimmung, wonach der Kunde die Unterlagen rechtzeitig vor Abgabe seiner Vertragserklärung zu erhalten hat, umgangen. Das Invitatiomodell verlagert die Vertragserklärung des Kunden nämlich einfach an das Ende des Prozesses. Konkret: Anstelle eines „Antrags auf Abschluss einer Versicherung“ lädt der Kunde den Versicherer zur „Abgabe eines verbindlichen Vertragsangebots“ ein. Inhaltlich unterscheidet sich ein Versicherungsantrag nicht von diesem „Einladungsformular“. Das Entscheidende ist, dass die Unterschrift unter diese Aufforderung formal keine Vertragserklärung darstellt, sondern lediglich zur Einholung eines Angebotes dient. Zu diesem Zeitpunkt ist insoweit eine Aushändigung von Informationsunterlagen im Sinne der Informationspflicht nicht erforderlich.

Der Versicherer prüft sodann diese „Aufforderung“ in seiner Antragsabteilung fachlich und erteilt ggf. einen Versicherungsschein, der dem Kunden zusammen mit allen relevanten Produktinformationen zugeht. In einem beigelegten Formular kann der Kunde nun dem Angebot des Versicherers zustimmen, und erst die Unterschrift unter diese Zustimmung ist die Vertragserklärung im Sinne der Bestimmungen. Durch die Übersendung der Unterlagen zusammen mit dem Versicherungsschein ist der Tatbestand der Rechtzeitigkeit gegeben.

Da im Vertrieb von Kranken- und Lebensversicherungen häufig mehr als ein Besuch zur endgültigen Akquisition des Kunden notwendig ist, stellt sich das Invitatiomodell als durchaus praktikabel dar. Dies gilt auch für den Bereich der (Groß-) Gewerbe und Industrien. Der Vorteil gegenüber dem Antragsverfahren besteht darin, dass keine Notwendigkeit besteht, in großem Umfang Informationsmaterial zu bevorraten – dieses wird dem Kunden schließlich zusammen mit dem verbindlichen Vertragsangebot zugeschickt. Nachteilig ist, dass der Makler das Produkt „zweimal verkaufen“ muss, denn die eigentliche und entscheidende Vertragsklärung des Kunden kann ja erst erfolgen, wenn der Versicherer die Police bereits erstellt hat.



Es besteht durchaus die Gefahr, dass der Gesetzgeber dieses Verfahren zukünftig durch ergänzende Bestimmungen untersagen wird, weil es eigentlich seinem Prototyp eines Verkaufsvorganges nicht entspricht. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Versicherer sukzessive die Möglichkeit zur Durchführung des Invitatiomodells einschränken oder gar ganz abschaffen werden, nämlich wenn Makler regelmäßig und systematisch beim Kunden fünf oder sechs ja zunächst unverbindliche Unterschriften einholen und damit die Antragsabteilungen eines halben Dutzends Versicherer beschäftigten. Im Ergebnis hätten dann nämlich sechs Antragsabteilungen gearbeitet und fünf Policen würden im Altpapier landen.
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